Ich wollte einfach endlich 'mein Ding' machen.

Christoph Taube
Psychologischer Psychotherapeut
Niedergelassen in Bremerhaven Geestemünde
Vor meiner Niederlassung habe ich über sechs Jahre im voll- und teilstationären psychiatrischen Bereich gearbeitet. In dieser Klinikzeit habe ich viele positive Erfahrungen gemacht, keine Frage. Die Arbeit mit den Patienten war aber stets akut und oft zu schnell, insbesondere vor dem Hintergrund der immer schwieriger gewordenen Bedingungen der stationären Versorgung. Das empfand ich als zunehmend belastend und unbefriedigend.
„Mit der Zeit wurde mein Wunsch immer größer, Patienten 'von Anfang bis Ende' zu behandeln und somit psychotherapeutisch intensiver mit ihnen zu arbeiten. Ich bin außerdem einfach kein Morgenmensch. Deshalb wünschte ich mir auch flexiblere Arbeitszeiten. Eine angemessenere Vergütung und freiere Gestaltungsmöglichkeiten habe ich mir ebenfalls gewünscht. Kurz gesagt, wollte ich einfach endlich 'mein Ding' machen. So war die Zeit einfach reif für eine Niederlassung. Zu Beginn habe ich in meiner aktuellen Praxis fünf Monate in Anstellung gearbeitet. Das war länger geplant, aber mein Arbeitgeber wollte dann seinen halben Kassensitz abgeben - da musste ich nicht lange überlegen.
Schon im Bachelor-Studium Psychologie war die selbstständige Arbeit in einer eigenen Praxis mein Traum. Als ich das Angebot bekam, den halben Kassensitz zu übernehmen, habe ich nach nur einer Woche Bedenkzeit meine Chance ergriffen. Wir haben dann meine Anstellung in eine Zulassung umwandeln lassen. Die ersten Schritte habe ich mit meinem Arbeitgeber besprochen. Danach habe ich direkt mit der KV Kontakt aufgenommen. Die haben mir einen Überblick über das weitere Vorgehen gegeben und mich in allen wichtigen Punkten beraten. Daneben habe ich mich auf den Webseiten der KV und der DPtV (Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung) informiert und ehemalige Supervisoren sowie niedergelassene Kollegen um Rat und Tipps gebeten.
Die Vorteile als Niedergelassener im kassenärztlichen System sind vielfältig. Freie Gestaltung vor allem, insbesondere therapeutisches Vorgehen im Rahmen der Verhaltenstherapie. Arbeitszeiten und Urlaub sowie die Höhe der Einnahmen sind auch relevant. Im Vergleich zur Anstellung ist der Verdienst angemessener. Durch die Abrechnung mit den GKVs sind die Einnahmen im Vergleich zur Privatpraxis sicherer und regelmäßiger.
Ich bin in Bremerhaven geboren und dort sowie im Geestland aufgewachsen. Bereits während meines Studiums in Osnabrück war mir klar, dass ich irgendwann zurück an die Küste möchte. Für meine praktische Tätigkeit bin ich also wieder nach Bremerhaven gezogen und der Liebe, Familie und Küste wegen auch geblieben. Um so schöner, dass es gerade hier auch mit der Niederlassung geklappt hat.
Wenn ich anderen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die über eine Niederlassung nachdenken, noch etwas mit auf den Weg geben darf, dann folgendes: Traut euch, euren Weg zu gehen und so zu arbeiten, wie ihr möchtet! Man wächst in alles rein. Die erwähnten Internetseiten geben wertvolle Infos für den Start. Die KV berät intensiv. Zu Beginn der Niederlassung ist es sinnvoll, nicht zu viele Patienten einzuplanen. Und eine Intervisionsgruppe für den kollegialen Austausch zu suchen oder zu gründen, ist auch eine super Sache.“